Wer ein Fernsehgerät von alphatronics nutzt, sieht das fertige Produkt. Dahinter stehen jedoch zahlreiche Entscheidungen, Erfahrungen und Überzeugungen, die unsere tägliche Arbeit prägen. Mit Timo Kehl und Johannes Borig führen heute zwei Geschäftsführer das Unternehmen, die unterschiedliche Stärken und Perspektiven einbringen, aber ein gemeinsames Ziel verfolgen: mobile Unterhaltung auf höchstem Niveau zu schaffen.
Im Gespräch geben beide Einblicke in ihre Motivation, die Herausforderungen der Branche und die Frage, warum alphatronics auch heute noch konsequent auf eigene Entwicklungen setzt. Dabei wird schnell deutlich, dass hinter jedem Produkt weit mehr steckt als Technik allein. Hier geht es um Qualität, Verantwortung und die Leidenschaft, Dinge immer wieder ein Stück besser zu machen.
HERR BORIG - WARUM SETZT ALPHATRONICS AUCH HEUTE NOCH AUF EIGENE ENTWICKLUNGEN?
Johannes Borig:
Weil die Anforderungen an ein mobiles Fernsehgerät grundlegend andere sind als an ein Gerät für den Heimbereich. Natürlich kennen wir die zahlreichen Standardplattformen und Fertigungslösungen, die heute weltweit – insbesondere in Asien – verfügbar sind. Auch wir beobachten diese Entwicklungen sehr genau und nutzen sie als wichtige Referenz für unsere eigene Arbeit. Allerdings konnten uns viele dieser Lösungen bei den entscheidenden Anforderungen des mobilen Einsatzes nicht überzeugen.
Ein Reisemobil, ein LKW oder eine Yacht stellen ein Fernsehgerät vor Herausforderungen, die im Wohnzimmer kaum eine Rolle spielen. Hier geht es um starke Spannungsschwankungen, unterschiedliche Bordnetze, Vibrationen während der Fahrt, begrenzte Energiereserven sowie wechselnde Empfangssituationen in den unterschiedlichsten europäischen Ländern. Hinzu kommen hohe Anforderungen an die Langzeitzuverlässigkeit, da viele unserer Geräte über Jahre hinweg täglich genutzt werden.
Deshalb entwickeln wir zentrale Komponenten wie unsere Mainboards selbst und passen sie konsequent an die Anforderungen des mobilen Einsatzes an. Dadurch können wir Funktionen realisieren, die mit Standardplattformen oft nicht oder nur eingeschränkt möglich wären. Beispiele hierfür sind unsere erweiterten Spannungsbereiche, die Unterstützung aktiver DVB-T2-Antennen mit 5V-Versorgung, PVR- und Timeshift-Funktionen durch größere Speicherressourcen oder unsere speziell abgestimmten Schutzschaltungen für den Betrieb an 12V- und 24V-Bordnetzen.
Mit dem Wechsel zu webOS Hub haben wir zudem einen starken Softwarepartner gewonnen. Während LG die Betriebssystemplattform bereitstellt und kontinuierlich weiterentwickelt, können wir uns vollständig auf die Entwicklung der Hardware und deren optimale Anpassung an den mobilen Einsatz konzentrieren. Dadurch verbinden wir die Vorteile einer weltweit etablierten Smart-TV-Plattform mit unserer eigenen Hardwarekompetenz.
Eigene Entwicklung bedeutet für uns aber nicht nur Technik, sondern auch die Freiheit, neue Ideen umzusetzen. Ob unser SLA-32 W4K als erster mobiler 4K-Ultra-HD-Fernseher mit 12V-Spannungsversorgung, die Entwicklung unserer neuen QVIEW Modelle mit OLED-Paneltechnologie oder die kontinuierliche Weiterentwicklung des Audio- und Produktdesigns – viele dieser Innovationen wären ohne eigene Entwicklungsarbeit nicht möglich.
Natürlich ist dieser Weg aufwendiger. Aber genau darin sehen wir unsere Stärke: Produkte zu entwickeln, die nicht einfach für den mobilen Einsatz angepasst wurden, sondern von Grund auf dafür konzipiert sind.
HERR KEHL - WIE WICHTIG IST FÜR SIE DER STANDORT IN NÜRNBERG?
Timo Kehl:
Der Standort Nürnberg ist für uns weit mehr als nur ein Firmenstandort – er ist ein zentraler Bestandteil unserer Identität. Seit der Gründung von alphatronics entwickeln, montieren, prüfen und versenden wir unsere Produkte von hier aus. Darauf sind wir sehr stolz, denn nur durch die enge Verzahnung aller Bereiche an einem Standort können wir die hohen Qualitätsstandards sicherstellen, die unsere Kunden von uns erwarten.
Natürlich beziehen auch wir heute bestimmte Komponenten wie Panels oder Chipsätze von internationalen Partnern. Die entscheidenden Schritte rund um Entwicklung, Produktanpassung, Montage, Qualitätsprüfung und Freigabe erfolgen jedoch bei uns in Nürnberg. Dadurch behalten wir die Kontrolle über unsere Prozesse und können sicherstellen, dass unsere Fernsehgeräte den besonderen Anforderungen des mobilen Einsatzes gerecht werden.
Gleichzeitig profitieren wir von einem Umfeld, das seit Jahrzehnten eng mit der Unterhaltungselektronik verbunden ist. Nürnberg und die Metropolregion stehen durch Unternehmen wie Grundig oder Metz traditionell für Fernseh- und Rundfunktechnik. Dieses Umfeld bietet uns Zugang zu erfahrenen Fachkräften und wertvollem Know-how, das über viele Jahre gewachsen ist.
Für uns ist „Entwickelt in Nürnberg. Montiert in Nürnberg.“ deshalb weit mehr als ein Slogan. Es ist ein klares Bekenntnis zu Qualität, Verantwortung und dem Anspruch, jedes Fernsehgerät so zu bauen, wie wir es selbst auf Reisen nutzen möchten.
HERR KEHL – SPÜREN SIE DEN DRUCK DRUCH DEN WETTBEWERB?
Timo Kehl:
Na klar, jedoch sehen wir diesem positiv entgegen. Wettbewerb sorgt dafür, dass man sich kontinuierlich hinterfragt, neue Ideen entwickelt und bestehende Produkte immer weiter verbessert. Gerade in einer Branche, die sich technologisch so schnell entwickelt wie unsere, ist Stillstand keine Option.
Unser Anspruch war dabei nie, Produkte zu kopieren oder Trends einfach zu folgen. Vielmehr möchten wir eigene Akzente setzen und Lösungen entwickeln, die einen echten Mehrwert für unsere Kunden bieten. Ein gutes Beispiel dafür ist unsere neue SLA-Linie, mit der wir bewusst neue Wege beim Zusammenspiel von Design, Klangqualität und technischer Ausstattung gegangen sind.
Besonders wertvoll ist dabei der enge Austausch mit Reisemobil- und Fahrzeugherstellern, Händlern sowie unseren Endkunden. Aus diesen Gesprächen entstehen häufig neue Ideen und Impulse, die direkt in die Entwicklung zukünftiger Produkte einfließen.
Eine besondere Herausforderung sehen wir aktuell in der Verbreitung von webOS Hub als lizenzierter Smart-TV-Plattform. Da inzwischen mehrere Hersteller auf dieselbe Softwarebasis setzen, entsteht auf den ersten Blick oft der Eindruck, die Geräte seien technisch vergleichbar. Tatsächlich liegen die entscheidenden Unterschiede jedoch in der Hardware, der Systemarchitektur und den speziell für den mobilen Einsatz entwickelten Funktionen.
Viele Kunden erkennen zunächst nicht, dass Funktionen wie PVR-Aufnahme, Timeshift, die aktive 5V-Spannungsversorgung von DVB-T2-Antennen, unsere erweiterten Schutzschaltungen oder die speziell für den mobilen Einsatz entwickelten Mainboards keineswegs selbstverständlich sind. Genau diese Details machen jedoch im Alltag den Unterschied aus und zeigen, warum ein Fernsehgerät für den mobilen Einsatz weit mehr ist als nur ein Smart-TV mit Camping-Logo.
HERR KEHL – WO SEHEN SIE DEN HAUPTABSATZMARKT VON ALPHATRONICS?
Timo Kehl:
Unser Kernmarkt ist und bleibt der deutschsprachige Raum. Hier sind wir seit vielen Jahren fest verwurzelt und verfügen über ein starkes Netzwerk aus Fahrzeugherstellern, Handelspartnern und Endkunden. Die Nähe zu unseren Kunden ist für uns ein wichtiger Erfolgsfaktor und hilft uns dabei, Produkte gezielt an die Anforderungen des Marktes anzupassen.
Gleichzeitig sehen wir auch in anderen europäischen Ländern großes Potenzial. Deshalb arbeiten wir in wichtigen Absatzmärkten und beliebten Reiseländern mit starken lokalen Partnern zusammen. Beispiele hierfür sind Maxview in Großbritannien oder BMSAT in den Niederlanden. Solche Partnerschaften ermöglichen es uns, unsere Produkte auch außerhalb des deutschsprachigen Raums erfolgreich zu positionieren und gleichzeitig einen zuverlässigen Service vor Ort sicherzustellen.
Darüber hinaus investieren wir kontinuierlich in die Anpassung unserer Produkte an die jeweiligen nationalen Anforderungen. Ein Beispiel hierfür ist die Unterstützung von Tivùsat für den italienischen Markt. Da unsere Fernsehgeräte grundsätzlich für den europaweiten Einsatz entwickelt werden und bereits von zahlreichen Fahrzeugherstellern in ihren Fahrzeugen eingesetzt werden, verfügen wir über eine sehr gute Ausgangsbasis für weiteres internationales Wachstum. Unser Ziel ist dabei nicht, möglichst viele Märkte zu bedienen, sondern in den Märkten erfolgreich zu sein, in denen unsere Produkte einen echten Mehrwert für die Kunden bieten.
HERR BORIG - WAS MACHT FÜR SIE GUTEN SERVICE AUS?
Johannes Borig:
Schon zu Beginn meiner Zeit bei alphatronics im Jahr 2021 wurde mir eine Botschaft besonders deutlich vermittelt: Der Kunde steht im Mittelpunkt unseres Handelns. Dieser Grundgedanke prägt unsere tägliche Arbeit bis heute und ist für mich ein wesentlicher Bestandteil unserer Unternehmenskultur.
Guter Service bedeutet für mich vor allem Erreichbarkeit, persönliche Ansprechpartner und die Bereitschaft, sich auch schwierigen Anliegen anzunehmen. Egal ob per E-Mail oder Telefon – wir möchten unseren Kunden nicht nur eine Antwort geben, sondern gemeinsam eine Lösung finden. Gerade dann, wenn einmal nicht alles reibungslos läuft, zeigt sich, wie wichtig persönlicher Service ist. Natürlich gibt es Phasen, etwa zum Ferienbeginn oder Saisonauftakt, in denen auch wir an unsere Grenzen kommen und Kunden manchmal etwas Geduld mitbringen müssen.
Ein großer Vorteil ist unsere eigene Service- und Reparaturabteilung in Nürnberg. Dadurch können wir viele Anliegen direkt bearbeiten und oft zeitnah sowie unkompliziert weiterhelfen. In einer Zeit, in der man bei vielen Unternehmen zunächst in Warteschleifen landet oder nur schwer einen Ansprechpartner erreicht, möchten wir bewusst einen anderen Weg gehen.
Besonders freuen wir uns über persönliches Feedback – am Telefon, per E-Mail oder auf Messen. Wenn uns Kunden berichten, dass ein Problem schnell gelöst wurde oder sie sich gut betreut gefühlt haben, bestätigt uns das in unserem Anspruch.
HERR BORIG – KÖNNEN SIE EINEN EINBLICK GEBEN WAS SICH IN ZUKUNFT IM BEREICH TV NOCH VERÄNDERN KÖNNTE?
Johannes Borig:
Das ist tatsächlich eine der schwierigsten Fragen, denn natürlich können und möchten wir heute noch nicht zu viel über zukünftige Entwicklungen verraten. Was ich jedoch sagen kann: Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie konsequent wir unser Produktportfolio weiterentwickeln. Mit Innovationen wie unserem ersten mobilen 4K Ultra HD Fernsehgerät, der Einführung der QVIEW-Technologie oder dem umfassenden Design-Relaunch der SLA-Linie haben wir wichtige Meilensteine gesetzt und neue Impulse in den Markt gebracht.
Diesen Weg werden wir auch in Zukunft konsequent fortsetzen. Gemeinsam mit unseren Partnern arbeiten wir kontinuierlich an neuen Technologien, Funktionen und Produktkonzepten, die das mobile Entertainment weiter verbessern. Dabei geht es nicht nur um neue Displaytechnologien, sondern ebenso um Themen wie Benutzerfreundlichkeit, Konnektivität, Klangqualität und die intelligente Vernetzung unserer Produkte.
Durch die enge Zusammenarbeit mit LG und die gemeinsame Weiterentwicklung von webOS Hub eröffnen sich zudem spannende Möglichkeiten für zukünftige Funktionen und Anwendungen. Viele Ideen befinden sich bereits in der Entwicklung, und ich bin überzeugt, dass wir unseren Kunden in den kommenden Jahren noch einige interessante Neuheiten präsentieren können. Die ersten Einblicke werden wir bereits auf dem Caravan Salon geben. Mehr möchte ich an dieser Stelle allerdings noch nicht verraten.
HERR BORIG – WIE WIRD DAS NEUE BETRIEBSSYSTEM WEBOS HUB ANGENOMMEN?
Johannes Borig:
Für mich persönlich war die Umstellung von Android auf webOS Hub einer der wichtigsten Entwicklungsschritte der vergangenen Jahre. Als langjähriger Verfechter des LG-Betriebssystems habe ich schon früh großes Potenzial in dieser Plattform gesehen. Mit dem Wechsel konnten wir nicht nur die Benutzeroberfläche an ein System anpassen, das viele Kunden bereits aus ihrem Zuhause kennen, sondern auch die Leistungsfähigkeit unserer Hardware deutlich besser ausschöpfen.
Besonders wichtig war für uns dabei die langfristige Perspektive. Im Smart-TV-Bereich steigen die Anforderungen von Streaming-Anbietern kontinuierlich. Gerade ältere Android-Versionen stoßen hier zunehmend an ihre Grenzen, was langfristig zu Einschränkungen bei Apps und Diensten führen kann. Durch die Zusammenarbeit mit LG und den Einsatz von webOS Hub profitieren wir von einer professionell weiterentwickelten Plattform mit langfristigem Software-Support sowie direkten Lizenzvereinbarungen mit den großen Streaming-Anbietern.
Das Feedback aus dem Markt bestätigt uns in dieser Entscheidung. Viele Kunden finden sich auf Anhieb zurecht und schätzen die vertraute Bedienung, die sie bereits von ihren Fernsehgeräten zuhause kennen. Gleichzeitig erhalten sie ein System, das speziell für den mobilen Einsatz optimiert wurde.
Natürlich gibt es auch Bereiche, in denen wir weiteres Potenzial sehen. Gerade beim App-Angebot wünsche ich mir persönlich, dass sich künftig noch mehr Streaming-Anbieter für die Plattform entscheiden. Gemeinsam mit unseren Ansprechpartnern bei LG arbeiten wir daran, die Attraktivität von webOS Hub kontinuierlich weiter auszubauen.
Dass mittlerweile auch zahlreiche Wettbewerber auf webOS Hub setzen, zeigt für mich zusätzlich, dass wir diesen Schritt frühzeitig und zur richtigen Zeit gegangen sind. Der entscheidende Unterschied bleibt jedoch unsere eigene Hardwareentwicklung, mit der wir die Plattform gezielt an die besonderen Anforderungen des mobilen Einsatzes anpassen können.
WAS BEDEUTET ALPHATRONICS FÜR SIE PERSÖNLICH IN EINEM SATZ?
Timo Kehl:
alphatronics ist für mich ein Unternehmen, das nah am Kunden bleibt, pragmatisch handelt und mit viel Leidenschaft Dinge möglich macht, die andere oft für zu aufwendig halten.
Johannes Borig:
alphatronics bedeutet für mich, Ideen in Produkte zu verwandeln, Herausforderungen als Chance zu sehen und gemeinsam mit unseren Kunden die Zukunft des mobilen Entertainments zu gestalten.